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Ein Beispiel, wie sich patriarchale Sozialisation auswirkt:
Eine Leserin schrieb:
"Matriarchale Mütter feiern daher die Geburt einer Tochter mehr
als die eines Sohnes." (euer zitat!)
hier
glaubt ihr ehrlich, daß es DER WEG ist, mädchendiskriminierung durch
jungen/männerdiskriminierung zu ersetzen?
1. die Tatsache, dass Mütter Töchter mehr feiern ist
jungendiskriminierend!! Die Logik dieser Schlussfolgerung ist
umwerfend und typisch patriarchal. Die positive Zuwendung auf ein weibliches Wesen wird im Patriarchat sofort als Benachteiligung von männlichen Wesen interpretiert. Zudem bezieht sich die zitierte Textstelle auf eine Gesellschaftsform, wo die Sippe auf Töchter angewiesen ist, weil bei ihnen die größere Verantwortung für alle liegt.
2. Was Diskriminierung wirklich bedeutet, nämlich echte Benachteiligung aufgrund von Vorurteilen - zeigt dieses Beispiel aus China:
Ein Brief von zehn Müttern, geschrieben an die chinesische
Volkszeitung in den 80er Jahren:
"Genossen Redakteure! Wir sind 15 Mütter vom Land, die nur Töchter
geboren haben [...] Weil bei uns Mütter ohne Sohn diskriminiert und
misshandelt werden, was noch schlimmer ist als der Tod! Kurz einige
Beispiele für unser Leiden:
Bei Hochzeiten auf dem Land lässt man eine Frau, die bereits einen
Sohn geboren hat, das Ehebett herrichten und die Braut zum Bräutigam
begleiten, man nennt solche Frauen 'vollwertige Menschen'... Frauen
wie wir seien 'Untermenschen'. Wir 'Untermenschen' werden zu
Hause von den Ehemännern schikaniert und unterdrückt, von den
Schwiegermüttern beschimpft und beleidigt, ja selbst die eigenen
Eltern werfen uns vor, wir machten ihnen nur Schande. Draußen gelten
wir als noch minderwertiger: Wir wagen nicht gleichberechtigt
mitzusprechen, dürfen nach Eheproblem nicht fragen; besonders
beleidigend sind die 'vollwertigen Menschen' mit Söhnen, die uns
hochnäsig schmähen wie 'früher ohne Tugend, heute ohne Sohn' oder
'hundert Generationen ohne Sohn'... Für uns erscheint das Leben
wirklich nicht mehr lebenswert!"
(Aus Isabelle My Hanh Kinder, Küche, Karma -
Anm.: Die Situation in China bzgl. Töchter/Söhne hat sich in den
letzten Jahrzehnten eher noch verschlimmert.)
Die Diskriminierung von Töchtern in westlichen Patriarchaten ist
nur graduell verschieden und subtiler.
Beispiel: In Deutschland berichten Versicherungsmaklerinnen, dass
Töchter regelmäßig als Nutznießerinnen von Versicherungen der Eltern
oder beim Erben benachteiligt oder ganz außen vor gelassen werden,
wenn ein Sohn da ist. Argument: Die Mädchen sind ja durch den Ehemann
versorgt und der Junge muss ein Familie ernähren.
*in Matriarchaten werden Jungen übrigens nicht benachteiligt,
niemand wird das, deshalb gibt es weder Neid noch Kriminalität.
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